Trainer wendet sich mit einem offenen Brief an die Vereine
17.01.2012
Der Trainer der Damennationalmannschaft Frank Weißleder wendet sich mit einem offenen Brief an die Vereine, Trainer und Spieler in Sitzvolleyball-Deutschland. Da unmöglich alle per E-Mail erreicht werden können, veröffentlichen wir diesen Brief gern auch an dieser Stelle.
Liebe Freunde des Sitzvolleyballs,
obwohl etwas verspätet möchte ich es jedoch nicht versäumen, Euch ein erfolgreiches und vor allem gesundes Jahr 2012 zu wünschen. Hinter uns liegt ein ereignisreiches Jahr, sicherlich geprägt durch die Teilnahme an der EM in Rotterdam. Mit dem Erreichen des 5. Platzes hat das Damen-Team ein leistungs-und entwicklungs-entsprechendes Resultat erzielt. Dies war nur durch konsequente Arbeit, die durch Euch in den Vereinen und Verbänden unterstützt wurde, möglich.
Dafür vielen Dank.
Mit Spannung haben wir die Entwicklung des Männer-Teams verfolgt und hoffen in unser aller Sinne auf eine Qualifikation des Teams für London. Von den positiven neuen Impulsen hat sicher die gesamte Szene profitiert. Entsprechende Synergie-Effekte sind sowohl während der Wettkämpfe, aber auch in der Vorbereitung und bei gemeinschaftlichem Auftreten in der Öffentlichkeit zu verzeichnen.
Die erste Orientierung der Frauen-Mannschaft erfolgte im Trainingslager zum Jahresende in Tangerhütte. Die Aufarbeitung des Erlebten, der Austausch über Eindrücke, Wahrnehmungen und Kritiken erfolgte ausgiebig. Aber auch der Ausblick auf die Zukunft kam nicht zu kurz. Personelle Veränderungen, wie das Ausscheiden des Trainers und die Umorientierung (wenn auch zeitlich begrenzt) der einen oder anderen Spielerin, stellen uns vor erhöhte Anforderungen. Wir möchten uns dem stellen und hoffen auf Eure tatkräftige Unterstützung.
Das Team hat für das Jahr 2012 zehn gemeinsame Trainingslager sowie die Teilnahme an nationalen Turnieren geplant. Wie bereits persönlich in Leipzig angedeutet, möchten wir den Kontakt zu den Heimatvereinen intensivieren und würden uns über die Koordinierung gemeinsamer Trainingsmaßnahmen freuen. Das ist die Möglichkeit, neben den Trainingseffekten für die Nationalmannschaft und die Vereine, Werbung für unseren Sport zu betreiben und im Idealfall, Sichtungen durzuführen.
An dieser Stelle muss ich sehr eindringlich auf ein offensichtliches Problem hinweisen. Wer die Teilnahme an der letzten DM in Leverkusen betrachtet, erkennt spätestens an der Stelle, dass unsere Sportart Gefahr läuft, auszusterben. Bis auf wenige Ausnahmen (Leverkusen, Hamburg) gelingt es leider kaum neue Spieler für die Teams zu gewinnen. Im Ergebnis, werden die Existenz einiger Teams und damit die Durchführbarkeit nationaler Meisterschaften in Frage gestellt. Es ist nur logisch, dass das Bestehen der National-Mannschaften in kausalem Zusammenhang zu dieser Entwicklung steht. Es ist für mich völlig klar, dass der fehlende Nachwuchs im Damen-Bereich sehr schnell dazu führen wird, dass Deutschland hier international nicht mehr vertreten werden kann. Wenn man die Entwicklung dieses Teams seit 2006 betrachtet, wäre das sehr zu bedauern. Es liegt an uns, gemeinsam dieser Tendenz entgegenzuwirken.
Das Auftreten der Mannschaft zur Orthopädie-Messe in Leipzig sowie ein gemeinsamer Demo-Auftritt im Universitätsklinikum Heidelberg sind erste Schritte unsererseits.
Das macht sicher aber nur Sinn, wenn wir neuen Spielern in den Vereinen eine sportliche Heimat bieten können. Dabei sehe ich es als vollkommen nebensächlich an, ob Frauen oder Männer den Weg zu uns finden.
Ich möchte Euch auffordern, eigene Möglichkeiten zur Spielergewinnung zu suchen. Herkömmliche Maßnahmen wie Kontaktierung von Reha-Kliniken, Therapeuten, Orthopädie-Technikern, Selbsthilfegruppen, Berufsbildungswerken, Sonderschulen können sicher erfolgversprechend sein. Anfragen bei den regionalen Behinderten-Sportverbänden aber auch den Volleyball-Verbänden haben in der Vergangenheit durchaus zu Ergebnissen geführt. Leider muss ich immer wieder feststellen, dass der Bekanntheitsgrad unseres doch sehr attraktiven Sportes zu gering ist. Lasst uns regionale Sportfeste, Turniere und Präsentationen nutzen um dies zu ändern. Bringt Euch in die Trainerausbildung in den Verbänden ein. Entsprechende Erfahrungen liegen durchaus vor. Wenn wir jetzt nicht nachhaltig Mechanismen installieren, die für eine stetige Nachwuchsarbeit erforderlich sind, werden wir immer wieder vor Existenz-Problemen stehen. Das National-Team der Frauen ist davon sicher als erstes betroffen, was ich allerdings nur als Vorboten für die Entwicklung im Männer- und Jugend- Bereich sehe.
Neben allem sportlichen Wettbewerb der Vereine fordere ich jeden einzelnen auf, über den persönlichen Tellerrand zu schauen und unsere gemeinsame Sache zu unterstützen. Es gibt niemanden in unserer Runde, der von sich behaupten kann, er könne nichts für die Entwicklung des Sitzvolleyballes tun. In diesem Sinne bitte ich Euch um Unterstützung und freue mich auf viele Ideen und gemeinsame Aktionen.
Frank Weißleder
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